Ausbaustopp (Moratorium) für Mobilfunk 5G: Technikfolgenabschätzung beim Europäischen Parlament

Das Science and Technology Options Assessment (STOA) Komitee beim Europäischen Parlament publizierte im Juni 2021 einen Überblick über die Erkenntnisse zu den Risiken von 5G und der nichtionisierenden Strahlung. Die Review-Studie fordert einen Ausbaustopp für 5G.

Die Verbraucherschutzorganisation diagnose:funk legt auszugsweise eine Übersetzung des englischen Orginaltextes vor aus dem wir zitieren:

„Die Einführung der MMW-5G-Technologie ohne weitere Präventivstudien würde bedeuten, dass ein „Experiment“ an der menschlichen Bevölkerung durchgeführt wird, dessen Folgen völlig ungewiss sind“ (STOA, 2021).

Es liegen nun die Ergebnisse der NTP-Studie, der Ramazzini-Studie, der AUVA-Studien und der BERENIS-Studie (Schürmann/Mevissen) und 94 Reviews vor, die in ihrer Gesamtheit DNA-Strangbrüche, Krebsrisiken, Wirkungen auf die Reproduktionsorgane und als Schädigungsmechanismus Oxidativen Zellstress als nachgewiesen belegen. Die Kriterien nicht nur für eine Vorsorgepolitik, sondern bereits für eine Gefahrenabwehr sind erfüllt und die völlige Untauglichkeit der geltenden Grenzwerte nachgewiesen. Thematisieren wir das in der Kampagne zur Bundestagswahl!

Die STOA der EU veröffentlichte im Juni 2021 die Studie „Gesundheitliche Auswirkungen von 5G. Aktueller Kenntnisstand über die mit 5G verbundenen karzinogenen und reproduktiven Entwicklungsrisiken, wie sie sich aus epidemiologischen Studien und experimentellen In-vivo-Studien ergeben“. Das Science and Technology Options Assessment (STOA) Komitee ist ein Ausschuss des Europaparlamentes, der sich mit Wissenschaft und Technikfolgenabschätzung befasst. Diese Studie (Review) wurde von einer Arbeitsgruppe des Ramazzini-Instituts (Bologna) unter Leitung von Fiorella Belpoggi verfasst. Es ist die nach unserer Kenntnis bisher umfangreichste Aufarbeitung des Forschungsstandes zu 5G, sowohl den niedrigen als auch höheren (Gigahertz-) Frequenzen, die bei 5G zum Einsatz kommen und ist dadurch auch eine Bewertung des Mobilfunks insgesamt.

Die Strahlenschutzpolitik weltweit ist durch diese Studie, an deren Seriosität keine Zweifel bestehen, und die dazuhin von der STOA publiziert wird, mit klaren Ergebnissen und politischen Forderungen konfrontiert.

 

Die Ergebnisse von diagnose:funk für uns zusammengefasst:

# In der Zusammenschau der Ergebnisse aus der Epidemiologie, in-vivo und in-vitro Studien liegen Nachweise (engl.: limited evidence / sufficient evidence) für ein krebsauslösendes Potenzial v.a. der bisher angewandten Frequenzbereiche von GSM, UMTS, LTE und 5G (450 bis 6.000 MHz) vor, ebenso zu negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit.

# Zu 5G im höheren Frequenzbereich (24 bis 100 GHz) liegen keine angemessenen Studien vor. Deswegen bezeichnet die Studie 5G als ein Experiment an der Bevölkerung.

# Bei der Beurteilung müssen die nichtthermischen Auswirkungen berücksichtig werden, was bisher nicht gemacht wurde. Dafür wird die ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection) direkt kritisiert (s. Fußnote). Ihre Richtlinien haben keine Schutzfunktion.

# Die Autoren der Studie fordern einen 5G-Ausbaustopp (für 5G im höheren Frequenzbereich (24 bis 100 GHz)), Forschungen über die hohen 5G-Frequenzen, Aufklärung der Bevölkerung und den Schwerpunkt auf den Ausbau von Glasfasernetzen.

Die Studie setzt sich an vielen Stellen mit der ICNIRP und damit auch dem deutschen Bundesamt für Strahlenschutz auseinander, die versuchen, Studienergebnisse, die Risiken der nicht-ionisierenden Strahlung nachweisen, zu verharmlosen. Deren Einwände zu Ergebnissen der NTP- und Ramazzini-Studien (RI) werden zurückgewiesen, im STOA-Bericht heißt es:

„Folglich können die Ergebnisse der beiden Laboratorien nicht als „zufällig“ interpretiert werden. Die NTP- und RI-Studien zeigen, dass die Annahme, dass HF-Strahlung keine anderen gesundheitlichen Auswirkungen als die Erwärmung von Gewebe verursachen kann, wissenschaftlich nicht fundiert ist.“ (S. 146).

 

Expositionsabschätzung:

Die Frage der Expositionsabschätzung bei der Einführung von 5G ist kompliziert, vor allem im Hinblick auf die Überwachung der kontinuierlichen Änderungen der Aktivität sowohl von Basisstationen (BS) als auch von Nutzergeräten (UE) im Zusammenhang mit der MIMO-Technologie (Multiple Input, Multiple Output). Darüber hinaus wird der technische Ansatz für die Expositionsbewertung im Zukunftsszenario, der sich auf die gleichzeitigen Emissionen von 1G, 2G, 3G, 4G und 5G bezieht, noch immer formuliert und ist daher unsicher.

 

Nichtthermische Wirkungen:

Die schädlichen Auswirkungen nicht-thermischer biologischer Wechselwirkungen von HF-EMF mit menschlichem und tierischem Gewebe wurden bei der Festlegung der ICNIRP 2020-Leitlinien (ICNIRP 2020a) nicht berücksichtigt, obwohl eine große Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen vorliegt, die die Schädlichkeit oder potenzielle Schädlichkeit dieser Auswirkungen belegen. Es gibt athermische Bioresonanzen, und in der Tat werden einige Frequenzen zu therapeutischen Zwecken in einer Reihe von Bereichen der Medizin eingesetzt. Wie wir wissen, kann jedes Medikament, selbst das vorteilhafteste, auch einige unerwünschte Wirkungen mit sich bringen. Daher müssen bei der Risikobewertung sowohl thermische als auch nicht-thermische Wirkungen von HF-EMF berücksichtigt werden.

 

Hintergrund:

In den letzten Jahrzehnten hat sich eine beispiellose Entwicklung von Technologien vollzogen, die als Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bekannt sind. Dazu gehören die drahtlose Kommunikation, die für Mobiltelefone verwendet wird, und z. B. Wi-Fi, das elektromagnetische Felder (EMF) im Hochfrequenzbereich (RF) nutzt.

Die erste Generation von tragbaren Mobiltelefonen war Ende der 1980er Jahre verfügbar. In der Folgezeit haben die zweite (2G), dritte (3G) und vierte (4G, Long Term Evolution = LTE) Generation ihren Verbreitungsgrad in der Gesellschaft drastisch erhöht, so dass es heute in Europa mehr Geräte als Einwohner gibt. Darüber hinaus sind Wi-Fi und andere Formen der drahtlosen Datenübertragung inzwischen allgegenwärtig und weltweit verfügbar. Dennoch gibt es neue Ungleichheiten beim Zugang zum Hochgeschwindigkeitsinternet (selbst in Ländern mit hohem Einkommen), und die Kontrolle durch autoritäre Regime zeigt Risiken für die Demokratie und die europäischen Werte.

Die Einführung der nächsten Generation von Funkfrequenzen, 5G, hat in den Mobilfunknetzen begonnen. Bei 5G handelt es sich nicht um eine völlig neue Technologie, sondern um eine Weiterentwicklung der bereits bestehenden G1- bis G4-Technologien. 5G-Netze werden in mehreren verschiedenen Frequenzbändern arbeiten, von denen die niedrigeren Frequenzen für die erste Phase der 5G-Netze vorgeschlagen werden. Mehrere dieser Frequenzen wurden oder werden bereits für frühere Mobilfunkgenerationen genutzt. Es gibt auch Pläne, in späteren Phasen der 5G-Technologieentwicklung wesentlich höhere Funkfrequenzen zu verwenden. Die neuen Bänder liegen deutlich oberhalb des sog. Ultrahochfrequenzbereichs (UHF) und haben Wellenlängen im Zentimeterbereich (3-30 GHz) oder im Millimeterbereich (MMW) bei 30-300 GHz. Die letztgenannten Bänder werden traditionell für Radar- und Mikrowellenverbindungen genutzt, und nur sehr wenige wurden hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit untersucht.

https://map.sciencemediahub.eu/5g

Fundstelle am 23.9.2021, hier: https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail?newsid=1740

Bibliografie:

Science and Technology Options Assessment (STOA) Komitee: Gesundheitliche Auswirkungen von 5G. Aktueller Kenntnisstand über die mit 5G verbundenen karzinogenen und reproduktiven Entwicklungsrisiken, wie sie sich aus epidemiologischen Studien und experimentellen In-vivo-Studien ergeben. Originaltitel:Health impact of 5G Current state of knowledge of 5G-related carcinogenic and reproductive/developmental hazards as they emerge from epidemiological studies and in vivo experimental studies. Herausgegeben von European Parliamentary Research Service (EPRS). Juni, 2021. – https://www.europarl.europa.eu/stoa/en/document/EPRS_STU(2021)690012

 

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.