Bundesamt relativiert 5G-Übersichtsstudie, welche das STOA Komitee des Europäischen Parlaments veröffentlichte, als Meinung der Autoren

 

Das Thema 5G ist weiterhin Streitthema. Dem hat die Stadt Ulm gestern Abend (25.05) mit der Informationsveranstaltung auf Inititive für eine Einwohnerversammlung der Bürgerinitiative „Brennpunkt 5G“ in Ulm und Umgebung entgegengewirkt.

Die beiden Vorsitzenden der Bürgerinitiative „Brennpunkt 5G“ machen sich Sorgen und sind hin und wieder mit dem Mobilfunk-Messgerät in der Stadt anzutreffen. Die Technologie hinter dem neuen Mobilfunkstandard ist ihrer Ansicht nach gefährlich. Bei der Informationsveranstaltung zum Thema 5G auf dem Ulmer Messegelände vertraten sie am 25. Mai ihren Standpunkt.

Mit dabei waren auch Experten, wie zum Beispiel Frau Dr. Julia Ketteler, Referentin vom Bundesamt für Strahlenschutz. Laut Dr. med. Thomas Thraen hat der neue Mobilfunkstandard eine krebsfördernde Wirkung, und einen negativen Effekt auf die Fruchtbarkeit von Männern. Hier bezieht er sich auf die sogenannte STOA Studie. Frau Ketteler dementiert diese Aussage und stellte bei der Informationveranstaltung den Standpunkt des Bundesamtes dar:

„Es wird hier jetzt hier gerade sehr wissenschaftlich […] Das ist jetzt hier nicht der Ort – es ist eine Informationsveranstaltung – es ist nicht der Ort für wissenschaftliche Diskussion. Aber das BfS stellt sich natürlich auch wissenschaftlichem Diskurs und dort kann jeder der möchte auf internationalen Tagungen, Workshops – wir hatten vor kurzem einen Workshop international zu oxidativem Stress – jeder, der sich am wissenschaftlichen Diskurs und Austausch beteiligen möchte kann dort teilnehmen und seine Meinung oder seine Wissenschaft vortragen. […]

Um den STOA Report aufzugreifen: Hier ist es so, dass die STOA dieses Review in Auftrag gegeben hat – eine Übersichtsarbeit. Diese Übersichtsarbeit ist allerdings nicht systematisch, das heißt, es wurden hier vorher keine Regeln festgelegt, keine Qualitätskriterien festgelegt, welche Arbeiten in diese Übersichtsarbeit mit einfließen, welche begutachtet werden und auch keine Qualitätskriterien, wie gut, ja wissenschaftlich richtig diese Arbeiten durchgeführt wurden.

Ausserdem ist es so, dass im Diclaimer dieser Übersichtsarbeit – dieser narrativen Übersichtsarbeit – steht, dass diese Arbeit lediglich Ausdruck der Meinung der Autoren ist und nichts mit der STOA zu tun hat.

Dann ist noch hinzuzufügen, dass die Autorin, eine Wissenschaftlerin aus Italien, hier unter anderem ihre eigene Studie bewertet, was in der wissenschaftlichen Praxis absolut nicht angesehen ist und nicht zur guten wissenschaftlichen Praxis zählt.

Und dementsprechend – um das abzuschließen, wie das Bundesamt für Strahlenschutz das sieht – dadurch, dass auch in keiner von Experten begutachteten Zeitschrift veröffentlicht wurde (Anmerkung: „peer review“), ist dieser Report lediglich eine Meinung der Autorin und trägt auch nicht zum wissenschaftlichen Diskurs bei“ (KETTELER, 25.5.2022). Videodokumentation 2:49:04-2:51:17.

 

 

Ergänzende Hinweise:

5G Informationsveranstaltung in Ulm

https://www.regio-tv.de/mediathek/video/5g-informationsveranstaltung-in-ulm/

 

Die Übersichtsstudie mit dem Titel  „Gesundheitliche Auswirkungen von 5G. Aktueller Kenntnisstand über die mit 5G verbundenen karzinogenen und reproduktiven Entwicklungsrisiken, wie sie sich aus epidemiologischen Studien und experimentellen In-vivo-Studien ergeben“ wurde von einer Arbeitsgruppe des Ramazzini-Instituts (Bologna) unter Leitung von Frau Prof. Fiorella Belpoggi verfasst. Der Veröffentlichung ist zu entnehmen:

„This study has been written by Dr Fiorella Belpoggi, BSC, PhD, International Academy of Toxicologic Pathology Fellow (IATPF), Ramazzini Institute, Bologna (Italy), at the request of the Panel for the Future of Science and Technology (STOA) and managed by the Scientific Foresight Unit, within the Directorate-General for Parliamentary Research Services (EPRS) of the Secretariat of the European Parliament.

The scoping review search was performed by Dr Daria Sgargi, PhD, Master in Biostatistics, and Dr Andrea Vornoli, PhD in Cancer Research, Ramazzini Institute, Bologna“

 

„The author thanks Dr Daniele Mandrioli, MD, PhD, Ramazzini Institute, Bologna (Italy), who advised and reviewed the methodology; Prof. Carlo Foresta, MD, and Prof. Andrea Garolla, MD, Professors of Endocrinology and Andrology, University of Padua (Italy), who critically reviewed the results on reproductive adverse effects in humans; Prof. Fausto Bersani, Physicist, Consultant, Rimini (Italy), who assisted her in the interpretation of papers regarding the exposure scenario“

 

Disclaimer

„This document is prepared for, and addressed to, the Members and staff of the European Parliament as background material to assist them in their parliamentary work. The content of the document is the sole responsibility of its author and any opinions expressed herein should not be taken to represent an official position by Parliament.“

 

https://www.europarl.europa.eu/stoa/en/document/EPRS_STU(2021)690012

 

 

Das Science and Technology Options Assessment Komitee (STOA) des Europäischen Parlaments veröffentlichte im Juni 2021 die Studie „Gesundheitliche Auswirkungen von 5G. Aktueller Kenntnisstand über die mit 5G verbundenen karzinogenen und reproduktiven Entwicklungsrisiken, wie sie sich aus epidemiologischen Studien und experimentellen In-vivo-Studien ergeben“. Die Studienlage zu Krebs und Fertilität wird in der Studie dargestellt und daraus Forderungen für den Strahlenschutz abgeleitet. Die Studie wurde im Auftrag der STOA erarbeitet, das kompetente Autorenteam setzt sich aus Wissenschaftlern des Ramazzini-Institutes (Italien) zusammen. diagnose:funk hat auch die Gesamtstudie als Buch publiziert.

https://diagnose-funk.org/forschung/mobilfunk-risikobewertungen/eu-institutionen/stoa-komitee

https://diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=1740

 

Entwicklung der Sichtweise und Haltung der Bevölkerung zu
elektromagnetischer Strahlung im Zusammenhang mit Mobilfunk und 5G. Vortrag
beim Runden Tisch EMF des BfS am 24.3.2022

EMF-Runder-Tisch_protokoll-24-sitzung_23-05-2022

BfS_Sichtweisen-der-Bevoelkerung-auf-5G_2022_3620S82471

 

 

Kurzbericht zum BfS-Workshop oxidativer Stress beim Runden Tisch EMF des BfS am 24.3.2022

EMF-Runder-Tisch_protokoll-24-sitzung_23-05-2022

 

Glaubhaft und verständlich – Wie gelingt gute Wissenschafts- und Risikokommunikation?

Das Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder (KEMF) ist eröffnet. Das KEMF hat drei Hauptaufgaben: Forschen, bewerten – und auch informieren. Damit wird das Kompetenzzentrum, das Teil des Bundesamts für Strahlenschutz ist, zu einer neuen Anlaufstelle für Fragen rund um Themen wie Stromnetzausbau und Mobilfunk. Bei der feierlichen Eröffnungsfeier im Oktober 2021 wurde viel darüber diskutiert, wie eine gute und verständliche Kommunikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen gelingen kann.

Mit dem Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder in Cottbus (KEMF) wurde daher eine neue Anlaufstelle geschaffen, welche sich verstärkt der verständlichen Kommunikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen für die allgemeine Öffentlichkeit widmet.

https://www.bfs.de/SharedDocs/Termine/BfS/DE/archiv/1028-eroeffnung-kemf.html

 

 

Runder Tisch Elektromagnetische Felder bei Bundesamt für Strahlenschutz

https://www.bfs.de/DE/themen/emf/kompetenzzentrum/runder-tisch/runder-tisch.html

EMF-Runder-Tisch_mitgliederliste-April-2022

 

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